"Herero"

Premiere: 04. März 2005
Hebbel am Ufer, HAU 3, Tempelhofer Ufer 10, 10963 Berlin

Mit: Judica Albrecht, Alexandra Schmid, Sven Philipp, Uwe Schmieder

Konzept & Regie: Hans-Werner Kroesinger
Bühne & Kostüme: Valerie von Stillfried
Sound: Daniel Dorsch
Licht: Benjamin Schälicke
Assistenz Regie: Anke Matschke
Assistenz Ausstattung: Katja Reetz

Swakopmunderstraße, Lüderitzstraße, Windhukerstraße, die Afrikanische Straße, Dauerkolonie Togo e.v. – wie kommt Berlin im Wedding zu seinem afrikanischen Viertel, das ursprünglich mal ein exotischer Park mit afrikanischen Tieren und afrikanischen Menschen werden sollte?
Erinnern Sie sich noch an ein beliebtes Weihnachtsgeschenk zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts - „Wer reist mit nach unseren Colonien?“ von Herrn Prof. Dr. Heinrich Kratz, ein Gesellschaftsspiel für 3 – 10 Personen aus Neuwied am Rhein?
HERERO 100 nimmt das Publikum mit auf eine Reise nach Afrika als Namibia noch Deutsch Südwestafrika hieß, die deutschen Schutztruppen gegen die aufständischen Herero ins Feld zogen und General von Trotha am 2.Oktober 1904 folgenden Befehl erließ:

Ich, der große General der deutschen Soldaten, sende diesen Brief an das Volk der Herero. Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet, gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren, Nasen und andere Körperteile abgeschnitten und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: jeder, der einen der Kapitäne an einer meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält 1.000 Mark, wer Samuel Maherero bringt, 5.000 Mark. Das Volk der Herero muß jetzt das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot-Rohr dazu zwingen. Innerhalb der deutschen Grenze wird jeder Herero mit oder ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen. Ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zurück oder lasse auf sie schießen. Das sind meine Worte an das Volk der Herero. Der große General des mächtigen Kaisers, von Trotha.
Dieser Erlaß ist bei den Appellen der Truppe mitzuteilen, mit dem Hinzufügen, daß auch der Truppe, die einen Kapitän fängt, die entsprechende Belohnung zuteil, und das das Schießen auf Weiber und Kinder so zu verstehen ist, daß über sie hinweggeschossen wird, um sie zum Laufen zu zwingen. Ich nehme mit Bestimmtheit an, daß dieser Erlaß dazu führen wird, keine männlichen Gefangenen zu machen, aber nicht zu Greueltaten gegen Weiber und Kinder ausartet. Diese werden schon laufen, wenn zweimal über sie hinweggeschossen wird. Die Truppe wird sich des guten Rufes der deutschen Soldaten bewußt bleiben."
(General von Trotha, Osombo-Windembe, 02.10.1904)


HERERO 100 , ein Stück über einen deutschen Kononialkrieg, der mehr als 100 Jahre zurückliegt und im Jahre 2001 zu einer Klage des Herero Häuptlings Kuaima Riruako vor einem amerikanischen Gericht gegen die deutsche Regierung und eine Vielzahl von deutschen Konzernen auf 4 Milliarden US-Dollar Entschädigung führte.