"Falls City. Die Geschichte des Brandon Teena"

Rote Fabrik Zürich, Seestr. 395, 8038 Zürich. www.rotefabrik.ch/fabriktheater
Premiere Zürich: 30. April 2005
Theaterdiscounter Berlin, Monbijoustr. 1, 10117 Berlin. www.theaterdiscounter.de
Premiere Berlin: 14. Mai 2005

Mit: Sylvia Habermann, Mirjam Smejkal, Julia Stöter, Sascha Gersıak, Kenneth Huber

Regie: Bernhard Mikeska
Text: Simone Kucher / Bernhard Mikeska
Bühne: Dominic Huber
Kostüm: Marcella Maichle
Licht: Claudia Rutz
Dramaturgie: Miriam Ehlers
Regieassistenz : Pascale Vogel
Bühnenassistenz: Oliver Hongler

Erzählt wird die wahre Geschichte des jungen Mannes Brandon Teena, der im Körper einer Frau geboren wurde. Um als Mann zu leben, negiert er alle Geschlechterrollen und bezahlt dafür mit seinem Leben. In Falls City, Nebraska, findet er als Fremder für kurze Zeit sein Glück, bevor er wegen Betrugs ins Gefängnis muss. Zweifel an seiner Identität kommen auf, die Angst vor der Auflösung von eindeutigen Rollenbildern setzt eine Gewaltspirale in Gang. Seine „besten“ Freunde fühlen sich hintergangen und vergewaltigen ihn. Als Brandon sie anzeigt, töten sie ihn am letzten Tag des Jahres 1993.
Auf einer Karaoke-Party werden die Ereignisse nochmals verhandelt. Die vielschichtige Persönlichkeit Brandons konstituiert sich durch die subjektiven Berichte der Mitglieder der Clique. Alle müssen sich der Situation stellen, agieren zwischen inszeniertem Rollenspiel, verborgenen Ängsten und der Sehnsucht nach der grossen Liebe und einem besseren Leben. Blicke von außen treffen auf Brandons Begehren und verfolgen seine unbedingte Suche nach seiner Identität. Nach der Freiheit, so zu sein, wie man will.
Das Theaterprojekt erzählt den authentischen Fall in miteinander verschachtelten Monologen. Das Material stammt aus Akten, Interviews und einer Biographie. In einer Mischung aus realen und surrealen, privaten und öffentlich-ausgestellten Momenten wird der Abend getragen von psychologisch genau beobachteten Figuren, die aus ihrer ganz persönlichen Perspektive berichten. Im Sinne der amerikanischen Philosophin Judith Butler, nach deren Theorie Geschlechtsidentität nicht durch die natürliche Disposition, sondern durch den Diskurs erzeugt wird, wird Brandon durch die verschiedenen Wahrnehmungen und Zuschreibungen bestimmt.
Die Zuschauer sitzen mitten im Geschehen der Karaoke-Bar und sind Zeugen der Rechtfertigungen. Brandon fungiert als Projektionsfläche für Hoffnungen und Wunschträume. In ihm kristallisiert sich die Sehnsucht, der zu sein, der wir wirklich sind oder sein wollen – jenseits von vorgegeben Verhaltensmustern.
Ein dokumentarisches Polizei-Interview, das von dem örtlichen Polizisten geführt wurde und eher den Charakter eines Verhörs hat, ergibt ein zusätzliches Spannungsfeld. Die Gewalt wird nochmals wiederholt – diesmal auf sprachlicher Ebene.
Der erste öffentliche Fall eines "hate crime" aufgrund uneindeutiger Geschlechtsidentität löste in den USA eine große Welle von Empörung aus. Einer der beiden Angeklagten, John Lotter, wurde zum Tode verurteilt und wartet bis dato auf seine Hinrichtung.